


Die Geschichte der Hörgeräte
Die ersten Hörhilfen standen im 17. Jahrhundert als Hörrohre zur Verfügung. Dabei handelte es sich um einen Trichter, der den Schall verstärkte. Die Wirkung war noch sehr bescheiden, doch erreichte man bereits eine Verstärkung, die für einen damals Schwerhörigen eine beträchtliche Verbesserung darstellte.
Ab 1876, mit der Entwicklung der Telefontechnik, gab es auch eine Weiterentwicklung bei Hörgeräten. Werner von Siemens erfand für Schwerhörige im Jahr 1878 einen speziellen Telefonhörer. Im Jahr 1896 wurde das erste Tischhörgerät erfunden. Ab 1898 wurden serienreife Hörgeräte produziert. Mit der Entwicklung der Kohlemikrofontechnik wurden die ersten transportablen Hörgeräte entwickelt.
In New York wurde 1901 das Patent für das erste „transportable“ Hörgerät eingereicht. Dieses Gerät wog allerdings noch 12 Kilogramm. Im Jahr 1914 konnte die Technik soweit verkleinert werden, dass diese Geräte in speziellen Handtaschen oder Köfferchen mitgenommen werden konnten. Ab den 1920er Jahren waren dann Röhren-Tischgeräte erhältlich, bei denen bereits die Verstärkung für verschiedene Frequenzbereiche getrennt eingestellt werden konnte.
Bis in die 1950er Jahre wurden solche Geräte verwendet. Durch die Erfindung des Transistors im Jahre 1947 wurde auch die Hörgerätetechnologie entscheidend verbessert. Die Geräte wurden so klein, dass sie ab 1950 das Westentaschenformat erreichten und dieser Form leicht mitgeführt werden konnten. Leider waren diese Taschengeräte sehr teuer und nur wenige Menschen konnten sich diese leisten. Ab diesem Zeitpunkt werden die Entwicklungsabstände stetig kürzer. In den 1960er Jahren kamen die Hinter-Dem-Ohr-Hörgeräte auf den Markt. Diese, damals natürlich noch analogen Geräte, wurden hinter dem Ohr getragen. Ende der 60er Jahre kamen die ersten Im-Ohr-Hörgeräte auf dem Markt (wieder von der Firma Siemens).
In den 60er bis 70er Jahren etablierte sich dann der Beruf des Hörgeräteakustikers mit der Gesellen- und folgend der Meisterprüfung im Handwerk. Zuvor wurden Hörgeräte durch Radio- und Fernsehtechniker angepasst.
Mit der digitalen Entwicklung erfolgte der Übergang von der analogen zur effizienteren digitalen Technologie. Dieser Weg sollte nochmals beinahe 10 Jahre dauern. Das erste digitale Hörgerät wurde im Jahr 1988 vorgestellt. Erst ab Mitte der 90er Jahre erhielt die Digitaltechnik dann breiten Einzug in die Welt der Hörgeräte.
Ab dem Jahr 2005 konnten die bis dahin notwendigen Ohrpassstücke kleiner und weniger massiv werden, da es die Technologie erlaubte, die lästigen Rückkopplungen (das Pfeifen der Geräte am Ohr) über den digitalen Weg zu verringern.
Seit 2016 kann man Hörgeräte bekommen, die mit einem alltagstauglichen Akku-System ausgestattet sind. Seit dem selben Jahr sind die Hörgeräte in der Lage, über Bluetooth Audiosignale vom Handy, Computer oder auch Fernsehgerät zu empfangen. Seit 2021 können selbst kleinste Im-Ohr-Hörgeräte mit Akkus ausgestattet werden.
2024 wurden den ersten Hörgeräte mit Künstlicher Intelligenz vorgestellt. Blieben bis in die 90er Jahre Hörgerätetechniken bis zu 7, 8 Jahre auf dem Markt, gibt es heute durchschnittlich alle 1 ½ Jahre neue Techniken.
Waren um 1960 in einem Hörgerät bis zu zehn Transistoren eingebaut, so sind es heute (2026) weit mehr 30 Millionen Transistoren in einem einzigen Hörgerät. Vom Hörgerät in der Größe einer Hutschachtel sind die Geräte immer kleiner geworden. Heute ist es möglich, Hörgeräte so klein zu bauen, dass sie im Gehörgang verschwinden und (beinahe) unsichtbar sind.
